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Gedicht der Woche 42/2017

Landschaft I

Die kaum noch sichtbare Wipfelbewegung,
Die der Wind in den kleinen Birken macht,
Die schon fast nackt sind.
Der fliederfarbene Dämmer vor Nacht.
Der feuchte Geruch der gesättigten Erde.
Der trockne Geruch der grasenden Pferde.
Der Mond, der heut einer Quitte gleicht
In Form und Farbe. Das alles
Erreicht mich und erreicht mich nicht.
Es streicht
Vorüber meinem Gesicht
Und den übrigen Sinnen,
Die erst beim Abflug der Eule Erregung
Erfahrn und zu senden beginnen.
Der Wutschrei des Hirsches verlängert den Flügel
Der Eule. Und über die Hügel
Fallen die Keile der Graugänse ein.
In die Landschaft aus Wasser, Wacholder und Stein.
Eva Strittmatter

aus "Die eine Rose überwältigt alles"
Aufbau Verlag 1977

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